Prüfung der betrieblichen Leistungserstellung mit Kennzahlen (Einführung) und aus wirtschaftsethischer Sicht

Unterrichtseinheit: 2 | Stundenzahl: 3 Stunden

Gesetzestext

  • Bereich Leistungserstellung im Handel und Fertigungsbetrieb: die betrieblichen Leistungsfaktoren sowie deren Zusammenspiel und Stellenwert in Unternehmen analysieren und bewerten.
  • Leistungserstellung und Marketing unter Berücksichtigung von Aspekten der Ethik und Nachhaltigkeit aus der Sicht von Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten kritisch analysieren und beurteilen, die Aspekte von nachhaltigem Handeln erklären.

Eingangsvoraussetzungen

  • Grundlagenwissen über Betriebe sowie über die betriebliche Leistungserstellung.

Ziele

  • Ermittlung von grundlegenden Informationen, die den Erfolg bzw. Misserfolg einer Unternehmung darstellen.
  • Kritische Hinterfragung, was genau zum Erfolg der Leistungserstellung eines Unternehmens zählt.

Thema/Kurzfassung

Leistungserstellung

Übersicht der Unterrichtseinheit

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Diese helfen dem Management herauszufinden, wie erfolgreich das Unternehmen arbeitet. Mit Kennzahlen kann man Unternehmen beurteilen. Kennzahlen werden aus bestimmten Unternehmensdaten ermittelt.

Aufgaben von Kennzahlen: Sie sollen ...

  • rechtzeitig Probleme erkennen,
  • betriebliche Stärken und Schwächen herausfinden,
  • allgemeine Informationen gewinnen,
  • der Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich) dienen,
  • die Entwicklung des Unternehmens dokumentieren;

Kennzahlen liefern eine verdichtete Information!

Die Leistungserstellung innerhalb von Unternehmen kann grundlegend anhand von vier Kennzahlen definiert werden (daneben gibt eine Vielzahl weiterer Kennzahlen, die u.a. in BWL noch vorgestellt werden):

  • Produktivität: Die Produktivität zeigt das Verhältnis zwischen benötigten Produktionsfaktoren (Inputmenge) und produzierten Gütern (Outputmenge).
    Produktivität =  mengenmäßige Ausbringung  =  Outputmenge
    mengenmäßiger Einsatz Inputmenge
    Beispiel Tischlerei: 4 Schreibtische pro m³ Holz;

  • Wirtschaftlichkeit: Zeigt, wie effizient ein Unternehmen arbeitet. Die Wirtschaftlichkeit misst das Verhältnis von wertmäßigem Ertrag zu wertmäßigem Einsatz.
    Wirtschaftlichkeit =   wertmäßiger Ertrag 
     =   Ertrag 
    wertmäßiger Einsatz Aufwand
    Ertrag = der in Geld gemessene Wertezuwachs;
    Aufwand = der in Geld gemessene Wert aller verbrauchten Güter und/oder Leistungen;
    • Ist das Ergebnis größer als 1 ⇒ das Unternehmen IST wirtschaftlich (=Wertezuwachs).
    • Ist das Ergebnis gleich 1 ⇒ das Unternehmen IST wirtschaftlich (=kostendeckend).
    • Ist das Ergebnis kleiner als 1 ⇒ das Unternehmen IST NICHT wirtschaftlich (=Verlust).

  • Rentabilität in %: Darunter versteht man den Oberbegriff für mehrere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die eine Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolgs berechnen. Die Rentabilität misst das Verhältnis von Gewinn zum eingesetzten Kapital in Prozent.

    Eigenkapitalrentabilität =   Gewinn 
    x 100
    Eigenkapital

    Gesamtkapitalrentabilität =  Reingewinn + Fremdkapitalzinsen x 100
    Gesamtkapital

    Umsatzrentabilität =   Gewinn  x 100
    Umsatz
    Eine Umsatzrendite von z.B. 5% bedeutet, dass mit jedem umgesetzten Euro ein Gewinn von 5 Cent erwirtschaftet wird.
    Die Kennzahlen dienen als Entscheidungsgrundlage für den betriebsinternen Vergleich und dem Vergleich mit Wettbewerbern.

  • Wertschöpfung: Die Wertschöpfung misst die Wertzunahme eines Produkts/einer Leistung im Betrieb. Vom Ertrag werden die Vorleistungen (z.B. Rohstoffe, Dienstleistungen) abgezogen.
    Wertschöpfung = Marktleistung – Vorleistung
    Nettowertschöpfung = Umsatz - Vorleistung - Abschreibungen

Für die Ermittlung der Wertschöpfung stehen zwei Methoden zur Verfügung:

  • Reale Methode – dabei werden die FK-Zinsen als Bestandteil der Vorleistungen betrachtet.
  • Personale Methode – erfasst die durch den betrieblichen Leistungsprozess bei den Empfängergruppen entstandenen Einkommensarten. Entsprechend den MANZ-Schulbüchern wird die personale Methode angewandt.

Die betriebliche Leistungserstellung aus der moralischen Perspektive betrachtet

Primäres Ziel des Wirtschaftens ist die Produktion jener Güter und Dienstleistungen, die die Bedürfnisse der Kunden befriedigt!

Frage: Inwieweit läßt sich der betriebswirtschaftliche Erfolg alleine an den Zahlen messen?

Ist ein Unternehmen auch erfolgreich, wenn es defacto keinen betriebswirtschaftlichen Erfolg generieren kann, wenn es jedoch gesellschaftlich notwendige WAufgaben erfüllt?

Im Idealfall soll ein Unternehmen sowohl betriebswirtschaftlich erfolgreich sein, als auch zum nachhaltigen und gerechten Zusammenleben der Menschen innerhalb der Gesellschaft beitragen!

Auch Unternehmen müssen in der heutigen Zeit bestimmte gesellschaftlich anerkannte Moralvorstellungen erfüllen.

Wirtschaftsethik: Ein Unternehmen soll sowohl wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Ansprüchen genügen!

Schulbuch

Betriebswirtschaft HAK II (2015) SB-Nr.: 170692 | Manz Verlag Schulbuch

Sozialform

  • Einzelarbeit
  • Frontalunterricht

Unterrichtstechniken

  • Vortrag
  • Lernen aus Lösungsbeispielen

Materialien

  • Tafelbild (T)
  • Projektor (P)
  • Arbeits- bzw. Informationsblätter (AB, IB)
  • Schulbuch (SB)

Übungsbeispiele

1. Messung der betriebswirtschaftlichen Leistung einer Tischlerei

Die Tischlerei Norbert Teilhammer & Partner OG hat im vergangenen Jahr unter anderem folgende Aufzeichnungen geführt:

  • Umsatz € 800.000,-
  • Material € 1.200.000,-
  • Löhne und Gehälter € 450.000,-
  • Miete € 60.000,-
  • Beratungsleistungen € 8.000,-
  • Abschreibungen € 45.000,-
  • Sonstiger Aufwand (z.B. Energie, Reinigung) € 15.000,-
  • Fremdkapitalzinsen € 38.000,-
  • Erlöse € 2.450.000,-
  • Gewinn € 260.000,-
  1. Nehmen Sie an, das die Tischlerei zwei Fertigungsstrassen aufweist. Strasse A verarbeitet in einer Stunde 1m³ Holz zu 2,5 Kästen. Strasse B verarbeitet in 1,5 Stunden 1m³ Holz zu 3 Schreibtischen. Berechnen Sie die Produktivität der beiden Strassen.
  2. Ist es einfach oder schwer, die Produktivität der Tischlerei zu messen?
  3. Ermitteln Sie die Wirtschaftlichkeit der Tischlerei.
  4. Berechnen Sie die Umsatzrentabilität des vergangenen Jahres.
  5. Berechnen Sie die Wertschöpfung der Tischlerei in Euro im vergangenen Jahr. Entscheiden Sie, was alles zu den Vorleistungen zu zählen ist.
  6. Berechnen Sie die Wertschöpfung der Tischlerei in Prozent des Umsatzes.
  7. Die Tischlerei möchte im neuen Jahr eine neue Fertigungsstrasse eröffnen, um die Produktionsmenge zu erhöhen. Sie benötigt dazu eine neue Fertigungshalle. Es sind genügend Geldmittel vorhanden, auch der nötige Platz ist am Betriebsgelände zu finden. Anrainer beschweren sich jedoch regelmäßig über die Lautstärke und die Geruchsbelästigung der vorhandenen Maschinen. Die neue Fertigungsstrasse würde zusätzlichen Lärm verursachen, die bisherige Geruchsbelästigung könnte mit ihr jedoch reduziert werden.
    Erklären Sie, wie die Tischlerei Norbert Teilhammer & Partner OG mit der geplanten Erweiterung unter wirtschaftsethischen Gesichtspunkten verfahren soll. Begründen Sie Ihre Ansicht.

Um die Beispiele mit Lösungen vergleichen zu können, muss man registriert und angemeldet sein!
Spoiler-Warnung! Versucht es zunächst einmal ohne Hilfe.

Schlagwörter: Input | Kennzahlen | Output | Produktivität | Rentabilität | Wertschöpfung | Wertschöpfungsprozess | Wirtschaftlichkeit | Wirtschaftsethik