Incoterms: Einpunkt- und Zweipunktklauseln

Unterrichtseinheit: 3 | Stundenzahl: 4-5 Stunden

Gesetzestext

  • Bereich Kaufvertrag: die in der internationalen Geschäftstätigkeit notwendigen Dokumente erläutern und realen Dokumenten wesentliche Informationen entnehmen, die wichtigsten Lieferbedingungen in der internat. Geschäftstätigkeit erklären und anwenden.

Thema/Kurzfassung

Aussenhandel

Übersicht der Unterrichtseinheit

Incoterms (englisch International Commercial Terms, deutsche Bedeutung: "Internationale Handelsklauseln") sind freiwillige Regeln zur Auslegung handelsüblicher Vertragsformeln im internationalen Warenhandel. Diese werden von der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris herausgegeben. Die ICC hat im September 2010 die überarbeiteten Incoterms 2010 vorgestellt.

Incoterms enthalten exakte Regelungen (=Klauseln) für Außenhandelsverträge über den Gefahren- und Kostenübergang vom Verkäufer auf den Käufer und u.a. auch wann eine Transportversicherung abzuschließen ist.

Bei den Incoterms-Klauseln unterscheidet man zwischen Einpunkt- und Zweipunktklauseln, da der Kostenübergang und der Gefahrenübergang nicht immer am selben Ort erfolgen muss.

Einpunktklauseln: Der Übergang der Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung erfolgt gleichzeitig mit dem Übergang der Kosten vom Verkäufer auf den Käufer (Klauseln der Gruppen E, F und D). Dazu zählen u.a. "Ab Werk" und "Frei Frachtführer".

Zweipunktklauseln: Der Gefahrenübergang und der Übergang der Kosten erfolgt zu verschiedenen Zeitpunkten (Gruppe C). Dazu zählt u.a. "Frachtfrei".

Insgesamt gibt es 11 Klauseln

Klauseln für alle Transportarten

  • EXW: Ex Works / Ab Werk
  • FCA: Free Carrier / Frei Frachtführer
  • CPT: Carriage Paid To / Frachtfrei
  • CIP: Carriage And Insurance Paid To / Frachtfrei versichert
  • DAT: Delivered at Terminal/ Geliefert Terminal
  • DAP: Delivered at Place /Geliefert benannter Ort
  • DDP: Delivered Duty Paid / Geliefert verzollt

Klauseln nur für den See- und Binnenschiffstransport

  • FAS: Free Alongside Ship / Frei Längsseite Seeschiff
  • FOB: Free On Board / Frei an Bord
  • CFR: Cost And Freight / Kosten und Fracht
  • CIF: Cost, Insurance and Freight / Kosten, Versicherung und Fracht

Der Einfachheit halber werden diese Klauseln in vier Gruppen gegliedert, die jeweils mit dem selben Anfangsbuchstaben beginnen. In jeder Gruppe ist die Kosten- und Risikotragung (Gefahrübergang) jeweils nach dem gleichen Grundprinzip gestaltet. Die Pflichten des Verkäufers nehmen mit jeder Gruppe zu, während sich jene des Käufers gleichzeitig immer mehr reduzieren.

  • Gruppe E - EXW
    Abholklausel (für den Käufer am teuersten)
    Einpunktklausel
  • Gruppe F - FCA, FAS, FOB
    Absendeklauseln: Nicht der Verkäufer sondern der KÄUFER muss den Haupttransport bezahlen.
    Einpunktklauseln
  • Gruppe C - CPT, CIP, CFR, CIF
    Absendeklauseln: Der VERKÄUFER muss den Haupttransport bis zum benannten Bestimmungsort oder Bestimmungshafen bezahlen, die Gefahrtragung (das Risiko) liegt jedoch beim Käufer.
    Zweipunktklauseln
  • Gruppe D - DAT, DAP, DDP
    Ankunftsklauseln: Der VERKÄUFER muss alle Kosten und Gefahren bis zum benannten Bestimmungsort oder Bestimmungshafen tragen.
    Einpunktklauseln

Grundsätzlich sollten Verkäufer und Käufer für den Teil der Reise, für den sie nach Kaufvertrag und Rechnungsstellung das kaufmännische Risiko tragen, eine entsprechende Versicherung abschließen.

Incoterms

Beschreibung der wichtigsten Incoterms

  • EXW "Ab Werk" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn er die Ware dem Käufer beim Verkäufer oder an einem anderen benannten Ort (z. B. Werk, Fabrik, Lager usw.) zur Verfügung stellt. Der Verkäufer muss die Ware weder auf ein abholendes Transportmittel verladen, noch muss er sie zur Ausfuhr freimachen, falls dies erforderlich sein sollte. (Quelle: https://www.icc-austria.org/Incoterms.htm, 07.03.2017)
  • FCA "Frei Frachtführer" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Käufer benannten Person beim Verkäufer oder an einem anderen benannten Ort liefert. Der Verkäufer organisiert, bezahlt und trägt Risiko bis zum vereinbarten Ort und macht die Ware zur Ausfuhr frei. Der Käufer organisiert den Haupttransport. (Quelle: https://www.icc-austria.org/Incoterms.htm, 07.03.2017)
  • FAS "Frei Längsseite Schiff" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn die Ware längsseits des Schiffs (z. B. an einer Kaianlage) im benannten Hafen gebracht ist. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, wenn sich die Ware längsseits des Schiffs befindet. Der Käufer trägt ab diesem Zeitpunkt alle Kosten. (Quelle: https://www.wko.at/Content.Node/service/aussenwirtschaft/fhp/Ausfuhrbestimmungen/FAS-Free-Alongside-Shop.html, 07.03.2017)
  • FOB "Frei an Bord": Der Verkäufer organisiert, bezahlt und trägt das Risiko bis an Bord des Käuferschiffes im Verschiffungshafen. (Quelle: https://www.icc-austria.org/Incoterms.htm, 07.03.2017)
  • CPT "Frachtfrei" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Verkäufer benannten Person an einem vereinbarten Ort liefert. Der Verkäufer hat den Beförderungsvertrag abzuschließen und die bis zum benannten Bestimmungsort entstehenden Frachtkosten zu zahlen. Der Käufer trägt also das gesamte Transportrisiko ab der Übergabe an den ersten Frachtführer!
  • CIP "Frachtfrei versichert": Wie CPT, zusätzlich muss der Verkäufer die Ware für den Käufer mindestversichern.

Unterschied zwischen Frachtführer und Spediteur

Der Frachtführer ist ein gewerblicher Unternehmer, der sich auf Grund eines Beförderungsvertrages verpflichtet, einen Transport auf der Schiene, der Straße, zur See, in der Luft, auf Binnenwasserstraßen oder einer Kombination dieser Verkehrsträger durchzuführen.

Der Spediteur vermittelt/organisiert in eigenem Namen und für fremde Rechnung gewerbsmäßig Güter zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit Hilfe von Frachtführern. D. h. die Aufgabe des Spediteurs ist es auf Wunsch des Versenders, alle zum Gütertransport notwendigen Beförderungsmittel kostengünstig zu organisieren. Manchmal tritt der Spediteur auch als Lagerhalter auf.

Der Frachtführer ist im Gegensatz zum Spediteur der tatsächliche "Transporteur", welcher gewerbsmäßig die Güter befördert.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass Spediteur und Frachtführer das gleiche Unternehmen sind.

Schulbuch

Betriebswirtschaft HAK II (2015) SB-Nr.: 170692 | Manz Verlag Schulbuch

Sozialform

  • Einzelarbeit
  • Frontalunterricht

Unterrichtstechniken

  • Vortrag
  • Lernen aus Lösungsbeispielen

Materialien

  • Tafelbild (T)
  • Projektor (P)
  • Schulbuch (SB)

Übungsbeispiele

1. Incoterms: Warenversand in die USA mit CPT

Es ist die Klausel CPT Portland, USA vereinbart. Auf dem LKW-Transport von Seattle nach Portland passiert ein Unfall, bei dem die Ware so beschädigt wird, dass sie unverkäuflich ist.

Wer muss sich um die Schadensabwicklung kümmern?

Was sind die Konsequenzen für den Käufer?

2. Incoterms: Warenversand mit der Bahn CPT und FCA

Der Haupttransport der Lieferung soll mit der Bahn erfolgen. Als Lieferbedingung möchte der Lieferant FCA Railway Station Paris in den Vertrag aufnehmen, wir als Käufer hingegen möchten zumindest CPT Wien Westbahnhof aushandeln.

Worin unterscheiden sich die Kosten- und Risikofaktoren zwischen FCA Railway Station Paris bzw. CPT Wien Westbahnhof?

3. Incoterms: Schiffverladung CFR und FOB

Der Lieferant bietet in seinen Angeboten sowohl die Klausel FOB Ancona, als auch CFR Ancona, jeweils mit dem Zielhafen Port Said an.

Erklären Sie den Unterschied zwischen den beiden Klauseln.

4. Incoterms: Einiges wissenswertes

  1. Nenne jene Klausel, die für den Verkäufer die geringsten Transportkosten verursacht.
  2. Beschreibe zwei F-Klauseln.
    Wer muss hierbei den Haupttransport bezahlen?
  3. Der Käufer soll den Transport bis zu einem vom Verkäufer genannten Terminal organisieren und bezahlen.
    Um welche Klausel handelt es sich hierbei?
    Wer trägt das Risiko?
  4. Bei welchen Klauseln MUSS der Käufer die Warensendung versichern?
    Wo liegt jeweils der Gefahrenübergang?

5. Gefahren im Aussenhandel

Nennen und beschreiben Sie drei Risiken, die im Zuge des Außenhandels im Vergleich zum Binnenhandel entstehen können.

6. Schiffverladung CIF oder FOB

Ihr Unternehmen konnte während einer Messe einen neuen Kunden gewinnen. Dieser Kunde ist in New York tätig. Er möchte eine große Bestellung bei uns in Auftrag geben. Davor müssen jedoch die Lieferklauseln festgelegt werden.
Die Lieferung soll per LKW von Wien nach Bremerhaven und dann per Schiff nach New York erfolgen. Der Kunde holt die Ware mit seinem eigenen LKW ab.

Diskutiert werden die Lieferklauseln CIF New York ODER FOB New York.

Aufgaben:

  1. Erklären Sie anhand dieses Beispiels die Lieferklausel CIF New York.
  2. Wofür steht die Abkürzung (auf Deutsch oder Englisch)?
  3. Wo erfolgt genau der Kosten- und Risikoübergang?
  4. Welchen Unterschied gibt es zwischen der Klausel CIF New York und der Klausel FOB New York?
  5. Welche ist für Sie als Verkäufer günstiger?

Um die Beispiele mit Lösungen vergleichen zu können, muss man registriert und angemeldet sein!
Spoiler-Warnung! Versucht es zunächst einmal ohne Hilfe.

Schlagwörter: Incoterms