St. Galler Management Modell

Unterrichtseinheit: 4 | Stundenzahl: 3 Stunden

Übersicht der Unterrichtseinheit

Diese Einheit soll das Arbeiten mit dem St. Galler Management-Modell erklären und auch praktische Beispiele zeigen.

Ein Modell stellt komplizierte Sachverhalte und Abläufe der realen Welt einfach dar, damit man diese besser versteht. Es ist ein vereinfachtes Bild der Wirklichkeit.

Das St. Galler Management-Modell ist ein in den 1960er Jahren an der Universität St. Gallen entwickeltes Unternehmensmodell, das betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verständlich und anschaulich darstellt. Es soll dem Unternehmen als Orientierungshilfe und Entscheidungshilfe für komplexe Gestaltungsaufgaben dienen.

Komplexe Unternehmensaufgaben sollen möglichst einfach dargestellt werden!

Das Modell ist zwiebelartig in einzelnen Sphären aufgebaut und zeigt, das ein Unternehmen (im Modell in der Mitte als Pfeil dargestellt) niemals einsam und unabhängig agieren kann. Es beschreibt die Vielzahl an Einflussfaktoren, die ein Unternehmen betreffen.

Es werden dazu einige neue Begriffe verwendet, die jeweils für bestimmte Einflüsse stehen:

  • Umweltsphären
  • Anspruchsgruppen

Umweltsphären: Die Einbettung des Unternehmens in seinem Umfeld

Wie bereits geschrieben, kann ein Unternehmen niemals nur für sich alleine stehen, es ist immer in einem bestimmten Umfeld integriert.

Man unterscheidet hier vor allem vier Umweltsphären:

  • Gesellschaft
  • Natur
  • Technologie
  • Wirtschaft

Die Umweltsphären liegen außerhalb des Unternehmens. Sie beeinflussen das Unternehmen.

Unternehmen müssen die wichtigsten Trends aus diesen Bereichen beachten, wenn sie erfolgreich sein wollen.

Anspruchsgruppen: Die übrigen TeilnehmerInnen am Wirtschaftsmarkt und deren Erwartungen

Anspruchsgruppen (auch Stakeholder genannt) stehen mit dem Unternehmen in direktem Kontakt, weil sie jeweils bestimmte Interessen am Unternehmen haben:

  • Kunden
  • Lieferanten
  • Konkurrenz
  • Mitarbeitende
  • Kapitalgeber
  • Staat
  • Öffentlichkeit

Jede Handlung des Unternehmens kann positive oder negative Auswirkungen auf die Erwartungen und Ansprüche der Stakeholder haben.

Interaktionsthemen: (Austausch)Beziehungen zwischen Anspruchsgruppen und dem Unternehmen

Beziehungen zu Anspruchsgruppen basieren auf knappen Ressourcen. Innerhalb der Gesellschaft gibt es bestimmte Werte und Normen, mit denen darüber entschieden wird, welche Ressourcen einem Unternehmen zu welchen Bedingungen zur Verfügung gestellt werden. Dadurch entstehen verschiedene Anliegen und Interessen der Anspruchsgruppen.

Die Anliegen und Interessen der Anspruchsgruppen basieren auf bestimmten Normen und Werten.

  • Anliegen und Interessen: Anliegen sind eher verallgemeinerungsfähige Ziele, Interessen dienen dem unmittelbaren Eigennutzen.
  • Normen und Werte: Normen sind grundlegende, allgemein anerkannte, wertbasierte Verhaltensregeln. Werte sind Vorstellungen dessen, was ein gutes Leben ausmacht.
  • Ressourcen: Ressourcen stellen das Input beim unternehmerischen Wertschöpfungsprozess dar (z.B. Rohstoffe, Energie, Finanzen, menschliche Arbeitskraft).

Ordnungsmomente: Strategie, Struktur und Kultur

Dieser Bereich beinhaltet die Strategie, die Struktur und die Kultur eines Unternehmens. Diese geben dem Unternehmen eine innere Ordnung. Strategie und Struktur können von der Unternehmensleitung eher beeinflusst werden als die Unternehmenskultur, welche über Jahre hinweg entwickelt werden muss.

  • Strategie: Strategien sichern den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Hierbei muss geklärt werden:
    • Über welche Fähigkeiten verfügt das Unternehmen?
    • Welche Leistungen bietet das Unternehmen an?
    • Welche Kooperationspartner braucht das Unternehmen?
  • Strukturen: In jedem Unternehmen müssen viele unterschiedliche Aufgaben erledigt werden. Die einzelnen Arbeitsleistungen müssen dabei aufeinander abgestimmt werden. Diese Abstimmung muss bestimmten Strukturen (Regeln) folgen. Die Ordnung in einem Unternehmen wird durch die Aufbau- und die Ablauforganisation geschaffen. Die Aufbauorganisation legt fest, welche Hierarchien und Zuständigkeiten im Unternehmen herrschen. Die Ablauforganisation legt fest, wann und in welcher Reihenfolge Teilaufgaben erledigt werden.
  • Kultur: Die Unternehmenskultur beschreibt die Art und Weise, wie die Menschen im Unternehmen miteinander umgehen und welche Werte und Normen gemeinsam im Unternehmen gelebt werden.

Prozesse: Die Abläufe in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen

Im Unternehmen laufen unterschiedliche Prozesse gleichzeitig ab. Die Prozesse beinhalten sämtliche Aktivitäten, die vom Kundenwunsch zur Kundenzufriedenheit führen.

Das St. Galler Management-Modell unterscheidet drei verschiedene Prozesse mit je einem anderen Schwerpunkt:

  • Managementprozesse: Diese beinhalten alles, was mit der Gestaltung, Lenkung und Entwickung eines Unternehmens zu tun hat. Dabei geht es konkret um die unternehmerische Führungsarbeit.
  • Geschäftsprozesse: Hierbei geht es um den praktischen Vollzug all jener Aktivitäten, die unmittelbar für die Erstellung eines Kundennutzens zu erledigen sind, also um die eigentlichen Herstellungs- und Leistungsprozesse.
  • Unterstützungsprozesse: Die Geschäftsprozesse sollen möglichst effektiv und reibungslos ablaufen. Die Unterstützungsprozesse stellen die notwendige Infrastruktur sowie unternehmensinterne Dienstleistungen zur Verfügung.

Sie werden durch die Ordnungsmomente (Strategie, Struktur und Kultur) direkt beeinflußt.

Entwicklungsmodi: Wandel der Organisation

Um den langfristigen Erfolg eines Unternehmens sicherzustellen, müssen sich Unternehmen laufend ändern und sich den Gegebenheiten anpassen. Diese Veränderungen können sich auf die Produkte, Prozesse oder Organisation eines Unternehmens beziehen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich ein Unternehmen verändern kann:

  • Optimierung: Geringe, kontinuierliche Veränderung von Prozessen und Produkten (Feinjustierung).
  • Erneuerung: Wegweisende Veränderung von Prozessen und Produkten. Das Unternehmen positioniert sich vollkommen neu.

Sozialform

  • Partnerarbeit
  • Frontalunterricht
  • Gruppenmoderation

Unterrichtstechniken

  • Vortrag
  • Lernen aus Lösungsbeispielen

Materialien

  • Tafelbild (T)
  • Projektor (P)
  • Arbeits- bzw. Informationsblätter (AB, IB)

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