Kaufvertrag: Basiswissen und gesetzliche Bestandteile

Unterrichtseinheit: 7, 8 | Stundenzahl: 5-6 Stunden

Gesetzestext

  • Bereich Kaufvertrag einschließlich Schriftverkehr: Gesetzliche und kaufmännische Bestandteile in kaufvertragsrelevanten Schriftstücken bestimmen.

Eingangsvoraussetzungen

  • Basiswissen über Verträge
  • Die wichtigsten Vertragsarten

Ziele

  • Gefestigtes Grundlagenwissen rund um den Kaufvertrag
  • Rechte und Pflichten für die Vertragsparteien
  • Gesetzliche Bestandteile eines Kaufvertrages

Thema/Kurzfassung

Kaufvertrag

Übersicht der Unterrichtseinheit

Diese doch recht umfangreiche Unterrichtseinheit vertieft das bereits erworbene Basiswissen bzgl. Kaufverträge und beschäftigt sich primär mit den fünf gesetzlichen Pflichtbestandteilen von Kaufverträgen.

Einleitende Wiederholung und Festigung des Wissens von Kaufverträgen (u.a. Lerneinheit 4):

Ein Kaufvertrag ist

  • eine Einigung (übereinstimmende Willenserklärung)
  • zwischen Verkäufer und Käufer
  • eine bestimmte Sache gegen Entgelt (in der Regel Geld) zu tauschen.

Der Verkäufer wird durch den Kaufvertrag verpflichtet, dem Käufer die Ware zu übergeben.
Der Käufer muss den vereinbarten Kaufpreis bezahlen.

Damit ein Kaufvertrag gültig zustande kommt, müssen die bereits kennengelernten rechtlichen Bedingungen erfüllt werden:

  • Übereinstimmende Willenserklärung,
  • Möglichkeit des Geschäfts,
  • Erlaubtheit des Geschäfts,
  • Freiwilligkeit,
  • Geschäftsfähigkeit der Vertragspartner;

(Gruppenmoderation) (15')

Sämtliche Abschnitte dieser Unterrichtseinheit beschäftigen sich mit einem der fünf gesetzlichen Pflichtbestandteile des Kaufvertrages. Das heißt, nun wird der INHALT des Kaufvertrages analysiert.

Bildquelle: © Wirtschaft im Alltag

Jeder Kaufvertrag muss folgende Bestandteile enthalten:

  • Käufer
  • Verkäufer
  • Warenart
  • Menge
  • Preis

Käufer und Verkäufer

Der Kaufvertrag muss ausreichend Informationen über die Vertragspartner enthalten, sodaß sie aufgrund dieses Schriftstückes eindeutig identifizierbar sind:

  • Name und Anschrift des Käufers.
  • Name und Anschrift des Verkäufers.

(Basisliteratur: Betriebswirtschaft HAK I (2015), SB-Nr.: 170464 | Manz Verlag Schulbuch, Kapitel 5, Lerneinheit 1) (15')

Warenart

Im Kaufvertrag muss die Warenart bzw. die Qualität der Ware festgelegt werden.

Unter „Qualität“ versteht man dabei nicht die Güte der Ware, sondern ihre Eigenschaften. Die Qualität der Güter kann beispielsweise mit Marken, Typen, Normen, Handelsklassen, Beschreibungen und Abbildungen festgelegt werden.
In welcher Form die Qualität im Kaufvertrag festgelegt wird, hängt im Wesentlichen davon ab, ob es sich um vertretbare (fungible) oder um nichtvertretbare (nicht fungible) Waren handelt.

  • Vertretbare Waren: Alle Ausführungen/Einheiten besitzen die selben Merkmale. Die betreffenden Sachen können daher von Sachen der gleichen Art problemlos ersetzt bzw. "vertreten" werden. Den Kauf von vertretbaren Waren bezeichnet man auch als Gattungskauf.
    Beispiele: Musik-CD, Schulbuch, Schraubenzieher, Wasserglas;
  • Nichtvertretbare Waren: Nicht vertretbar sind Waren, bei denen es sich um Einzelstücke mit ganz einzigartigen Merkmalen handelt.
    Beispiele: Musik-CD mit einmaliger Widmung des Musikers, Gebrauchtwagen mit einer bestimmten Anzahl an bereits gefahrenen Kilometer;
Die Qualität im Kaufvertrag wird festgelegt durch ...
Besichtigung Beschreibung, Abbildung Muster, Proben Marken Typen, Normen, Handelsklassen
Besichtigt werden müssen vor allem Waren, die es nur einmal gibt, z. B. gebrauchte Waren oder Waren mit kleinen Fehlern. Im Kaufvertrag wird häufig auf die Besichtigung hingewiesen: „wie besichtigt“. Beschreibung und Abbildung ersetzen oft die Besichtigung (z. B. Kataloge im Versandhandel oder Abbildungen und Beschreibungen im Internet). Beschreibungen können messbare Eigenschaften betreffen (z.B. Stoff aus 100% Baumwolle) oder auch nicht messbare Eigenschaften betreffen (z. B. flauschiger Pullover). Muster und Proben sind Exemplare (Teilmengen) einer Ware, aus denen man die Qualität der Gesamtmenge erkennen kann. Man kann also von einem Muster oder einer Probe auf die Gesamtheit schließen. Eine Produktprobe ist ein Test-Produkt für potentielle Kunden oder Bestandskunden. Markenartikel werden in einheitlicher Aufmachung und in gleichbleibender Qualität angeboten. Zur Wiedererkennung dienen spezielle Namen, Zeichen und Symbole. "Marken können alle Zeichen sein, die sich graphisch darstellen lassen, insbesondere Wörter einschließlich Personennamen, Abbildungen, Buchstaben, Zahlen und die Form oder Aufmachung der Ware, soweit solche Zeichen geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden." (§ 1 MarkenSchG) Hiermit lassen sich bestimmte Eigenschaften allgemein gültig zusammenfassen.
Typen sind Vereinheitlichungen von Produkten der industriellen Erzeugung. Beispiel: Modelltypen bei Autos;
Normen sind allgemeingültige Richtlinien, mit denen Formen, Maße, Materialeigenschaften etc. standardisiert werden, z. B. ÖNORM, DIN, ISO.
Handelsklassen (oder Güteklassen) legen vor allem im Einzelhandel die Qualität von Lebensmitteln eindeutig fest.

Spezialfall: Spezifikationskauf

Bezeichnet einen Kaufvertrag, bei dem über die zu handelnde Ware nur Rahmenbedingungen, wie Art, Menge und Grundpreis geregelt werden und der Käufer bei Abruf die Einzelheiten der im Besonderen gewünschten Ware bestimmt. Der Vorteil liegt in der Sicherung des Kaufpreises zum Zeitpunkt des Kaufabschlusses, der sich auf Grund des Gesamtabschlusses ergibt. Auch spart sich der Käufer LAgerplatz, da er die gekaufte Ware beim Verkäufer in Teilen spezifizieren und abrufen kann. (Quelle: handelswissen.de, siehe auch Gabler Wirtschaftslexikon, 06.06.2016)

Beispiel:
Eine kleine Boutique kauft für die bevorstehende Sommersaison bei einem bekannten Großhändler diverse Sommerkleider.
Vereinbart wird die Abnahme von 200 Damen-Sommerkleidern, abrufbar in 4 Teilmengen zu je 50 Kleidern in den Monaten April, Mai, Juni und Juli. Erst bei Abruf werden Modelle, Farben, Größen etc. detailliert vom Käufer bestimmt.

Die Vorteile für die Boutique: Sie spart Lagerplatz und kann relativ kurzfristig auf Kundenwünsche und Modeentwicklungen eingehen, die Boutique ruft nur jene Kleider ab, die tatsächlich nachgefragt werden.

(Basisliteratur: Betriebswirtschaft HAK I (2015), SB-Nr.: 170464 | Manz Verlag Schulbuch, Kapitel 5, Lerneinheit 1) (30')

Menge

Im Kaufvertrag muss die Menge der gekauften Ware festgelegt werden, meistens handelt es sich dabei um Standardangaben metrischer Maße bzw. Stück-Angaben.
Eine Übersicht diverser Mengenangaben findet man u.a. auf www.taschenhirn.de.

Verträge mit genauer Mengenangabe

Die bestellte Menge muss mit der gelieferten Menge übereinstimmen! Einer Abweichung müssen beide Partner zustimmen. Stimmen die Partner nicht überein, kommt es zu keiner Übereinstimmenden Willenserklärung → Dissens → der Vertrag kommt NICHT zustande (§ 869 ABGB)!

Verträge mit ungefährer Mengenangabe

Manche Verträge berechtigen den Verkäufer, einen bestimmten Prozentsatz mehr oder weniger zu liefern. Die mögliche Abweichung muss entweder im Vertrag festgelegt (z. B. „4% mehr oder weniger“) oder durch Usancen geregelt werden (Kurzübersicht, was man unter Usancen versteht: http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/usancen/usancen.htm (06.06.2016)).

(Basisliteratur: Betriebswirtschaft HAK I (2015), SB-Nr.: 170464 | Manz Verlag Schulbuch, Kapitel 5, Lerneinheit 1) (10')

Preis

Der Preis ist der zu zahlende Betrag, wenn man Waren oder Dienstleistungen erwirbt.

Der Preis kann ohne Umsatzsteuer ("exkl. USt") oder mit Umsatzsteuer ("inkl. USt") angegeben werden. Preisangaben zwischen Unternehmern erfolgen meist ohne Umsatzsteuer. Trotzdem sollte immer angegeben werden, ob der genannte Preis die Umsatzsteuer enthält oder nicht. So kann man Missverständnisse ausschließen.

Achtung! Preisangaben für Konsumenten müssen immer die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) enthalten (über die Informationspflichten des Unternehmers siehe u.a. § 5 KSchG (06.06.2016)).

Verträge mit festem Preis

Der Preis wird pro Mengeneinheit genau angegeben. Zu diesem Preis muss auch geliefert und abgerechnet werden.

Verträge mit freibleibendem Preis

  • Basiskauf: Der Preis wird im Kaufvertrag aufgrund einer bestimmten Basisqualität festgelegt. Weicht die Qualität der tatsächlich gelieferten Ware von der Basisqualität ab, so werden vertraglich vereinbarte Zu- oder Abschläge verrechnet.
  • Kostenschwankungsklauseln: Sie ermöglichen es, zwischen Vertragsabschluss und Lieferung den vertraglich vereinbarten Preis zu erhöhen, wenn einzelne Kosten tatsächlich steigen (z. B. steigende Rohstoffpreise).
  • Indexklauseln: Diese Klauseln ermöglichen eine Preisanpassung entsprechend der Entwicklung eines zugrundeliegenden Index (z. B. Verbraucherpreisindex, Informationen zum VPI (Statistik Austria 10.06.2016)).

Preisabzüge und Preisnachlässe

  • Skonto: Dies ist eine Reduzierung des Preises, wenn Zahlungen vor dem vereinbarten Zahlungstermin erfolgen. D.h. es wurde ein Kauf gegen spätere Zahlung abgeschlossen (= Zielkauf). Um den Zahlenden zu einer möglichst raschen Zahlung zu animieren, gewährt man innerhalb einer kurzen Frist nach Lieferung (Kassafrist) einen Preisabzug.
    Typische Formulierung einer Zahlungsklausel: "Zahlbar nach Erhalt der Ware innerhalb von 14 Tagen ohne jeden Abzug oder innerhalb von 5 Tagen mit 3% Skonto."
    Erklärung dieser Klausel: Die Zahlungsfrist beläuft sich auf 14 Tage, die Kassafrist beläuft sich auf 5 Tage, der Preisabzug bei Zahlung innerhalb dieser Kassafrist beträgt 3%. Der Käufer darf diesen Skonto vom Preis selbst abziehen.
    Vorteile eines Skontos für den Verkäufer:
    Zinsvergütung: Der Verkäufer erhält sein Geld früher als vereinbart.
    Risikoprämie: Zahlt der Käufer früher, gibt es keine Gefahr, dass der Käufer später nicht mehr zahlt („Dubiosenrisiko“).
    Verwaltungsaufwandvergütung: Zahlt der Käufer früher, muss der Verkäufer den Geldeingang nicht mehr überwachen bzw. muss nicht Mahnen (Mehraufwand).
    Verminderung des Geldwertrisikos: Zahlt der Käufer früher, so reduziert sich das Risiko,
    der Geldentwertung (Inflation) → hierbei bleibt der geschuldete Geldbetrag gleich hoch, er kann sich jedoch weniger Waren dafür kaufen.
    Vorteile eines Skontos für den Käufer:
    Für den Käufer bedeutet der Skonto in der Regel eine hohe Jahresverzinsung.
  • Rabatt: Das sind Preisnachlässe, die vom Verkäufer sofort oder nachträglich aus verschiedenen Gründen gewährt werden können.
    Diverse wichtige Rabattarten: Mengenrabatt für die Abnahme großer Mengen), Treuerabatt (z.B. für langjährige, treue Kunden), Einführungsrabatt (bei Einführung neuer Produkte) Mängelrabatt (für schadhafte, aber brauchbare Waren), Ausstellungsrabatt (für Ausstellungsstücke, das sind nicht original verpackte Exemplare);

(Basisliteratur: Betriebswirtschaft HAK I (2015), SB-Nr.: 170464 | Manz Verlag Schulbuch, Kapitel 5, Lerneinheit 1) (20')

Durcharbeiten von ausgewählten Buchbeispielen in Einzelarbeit mit anschließendem gemeinsamem Lösungsvergleich. Dies kann auch bereits früher, während der oben genannten Lernschritte erfolgen.

(Basisliteratur: Betriebswirtschaft HAK I (2015), SB-Nr.: 170464 | Manz Verlag Schulbuch, Kapitel 5, Lerneinheit 1) (#')

Sozialform

  • Einzelarbeit
  • Partnerarbeit
  • Frontalunterricht
  • Gruppenmoderation

Unterrichtstechniken

  • Vortrag
  • Lernen aus Lösungsbeispielen

Materialien

  • Tafelbild (T)
  • Projektor (P)
  • Schulbuch (SB)

Schlagwörter: Gattungskauf | Kaufvertrag | Spezifikationskauf | Vertrag | Vertragswesen